Chronik

Schießsport in Eisemroth

75 Jahre Schützenverein „Glück Auf “ 1933 Eisemroth e.V.

Die etwas andere Kurzchronik.

Erhard W. Schneider
2008

 

Klein-Lisa, keck und wissbegierig, fragt ihren Vater:
„Warum feiern die Eisemrother Schützen denn eigentlich?

Vater Ralf: „Unser Schützenverein feiert seinen 75. Geburtstag. Im Jahr 1933 gründeten Männer um  Emil Pinstock und Richard Thielmann den Kleinkaliber-Schützenverein Eisemroth. Schon vorher hatte man hier bis zurück ins 19. Jahrhundert mit alten Militärwaffen in verschiedenen Gemarkungsstellen geschossen. Das waren aber eher Preisschießen. – Mit dem Aufkommen des KK-Gewehrs wurde der sportliche Leistungsgedanke stärker. Überall bildeten sich Schützenvereine. Man organisierte sich über Kreisverbände bis hin zum Deutschen Schützenverband. Natürlich nahm auch Eisemroth an den Meisterschaften teil.“

Klein-Lisa: „Aber es kam doch der Zweite Weltkrieg!“

Vater Ralf: „Ja, und daher kam das Sportschießen genau wie alle anderen Vereinstätigkeiten zum Erliegen. Vorher hatten die Nationalsozialisten als Machthaber des ‚3. Reichs‘ alle Vereine auf ihre Ideologie gleichgeschaltet. Für die Schützen wurde das Schießen wieder stärker militärisch ausgerichtet. Das war auch der Grund, weshalb Schützenvereine von den Siegermächten bis 1951 in Deutschland verboten waren. 1951 wurde der Deutsche Schützenbund (nach 1861 wieder-) gegründet. Der Schießsport wurde rechtlich scharf vom  militärischen Schießen und wehrsportlicher Ertüchtigung abgegrenzt, bis heute.

Klein-Lisa: „Wie war die weitere Entwicklung nach dem Krieg in Eisemroth?“

Vater Ralf: „Zunächst nichts. Die Not leidenden Menschen hatten andere Sorgen. Nach einigen Jahren war die Zeit für geselliges Schießen reif, ganz überwiegend mit Druckluftwaffen. Im Gasthaus Grundel in der Dorfmitte hatten sich beim Frühschoppen Hobbyschützen gefunden, die nach hinten heraus mit Luftgewehren auf den Bahndamm Preise ausschossen.“

Klein-Lisa: „Aber das war doch immer noch kein Schützenverein!“

Vater Ralf: „Richtig. Doch es kamen immer mehr Interessierte dazu, so dass schon bald die Idee zur Vereinsgründung geboren war.
Am 6. Juni 1958 wurde der Verein im Gasthaus Grundel unter dem Namen SCHÜTZENVEREIN „GLÜCK AUF“ EISEMROTH wiedergegründet. Im gleichen Jahr zählte er bereits 31 Mitglieder, Vorsitzender wurde der Gastwirt Johann Grundel. – Zum Lesen der Satzung brauchst du nicht viel Zeit, sie passt auf eine Seite. Markante Dinge sind aufgeführt: ‚Vorbestrafte und Raufbolde werden nicht aufgenommen; Gründungsmitglieder haben bei Auflösung des Vereins ein Vorkaufsrecht auf das Inventar‘.
Im Gasthaussaal wurde ein LG-Stand eingerichtet, auf dem ab dem Jahr 1962 nach Aufnahme in den Hessischen Schützenverband auch Rundenwettkämpfe und Meisterschaften ausgetragen wurden.“

Klein-Lisa: „Wird jetzt immer noch im Gasthaus geschossen?“

Vater Ralf: „Natürlich nicht. Du kennst doch sicherlich das Schützenhaus oben Im alten Beul, am Deutersbach. 1966/67 baute man ein kleines Schützenhaus mit 6 Schießständen für Luftdruckwaffen, 1974 wurde es dann um den Toilettenausbau und den Schankraum erweitert. Die vorhandenen 10m-Bahnen wurden 1978/79 mit der ersten 50m-Kleinkaliberanlage kombiniert.
1983, im Jubiläumsjahr, wurde dann die große Umgestaltung mit  Anbauten für Gastraum, Küche, Flur, Toiletten, Auswerteraum und neuem Luftdruckwaffenstand mit 10 Bahnen begonnen, der 1986 eingeweiht werden konnte.
Nach längerer Planungs- und Bauzeit wurde 1994 die als Leistungszentrum ausgelegte 50m-KK-Anlage mit 12 Ständen für den Schießsport frei gegeben. So auch alljährlich zu Kreis- und Gau- meisterschaften. Diese Anlage ist im Jahr 2007 bei einem Felssturz erheblich beschädigt worden.
Da im Verein jetzt auch mit Faustfeuerwaffen geschossen wurde (Luftpistole ab 1990 in RWK und Meisterschaften), baute man den alten kombinierten LG/KK-Stand zu einem 25m-Pistolenstand mit 5 Bahnen für Klein- und Großkaliber um, der 1997 fertig gestellt war.
Die gesamten Baumaßnahmen, schon gewaltig, wurden ganz überwiegend in Eigenleistung geschaffen. Die Mitgliederzahl war in diesen Jahren von etwa 70 auf 180 gestiegen.
In den folgenden Jahren baute man noch einen überdachten Raum für gesellige und Verwahrzwecke an das Schützenhaus an und gestaltete die Außenanlage um.
2006 ließ man mit eigener Hilfe den Hof pflastern. Der Komplex zeigt sich nun in ansprechender und gediegener Form.“

Klein-Lisa: „Was schießen die denn in ihrem Schützenhaus?“

Vater Ralf: „Im Verein wird nur sportlich nach den Regeln der Sportordnungen des Schützenverbandes geschossen. Rundenwettkämpfe werden von Mannschaften mit vier oder sechs Schützen ausgetragen, Meisterschaften auch als Einzelwettbewerb.
Bei den Langwaffen schießt man mit Luft- und Kleinkalibergewehr und Zimmerstutzen (Kal. 4,5 – 5,6 mm),  bei Kurzwaffen mit Luft- und KK-Pistole (Kal. 4,5 – 5,6 mm), Pistole (i.d.R. Kal. 9 mm) und Revolver (Kal. 9 – 12 mm).
In der Spitze hatte der Schützenverein zwanzig Schüler-, Jugend-, Junioren-, Schützen- und Altersmannschaften gemeldet, aktuell dreizehn. Besonders in der Breite zeigen sich gute Leistungen. Aber auch in der Spitze waren Schützinnen und Schützen bis zu den Landesmeisterschaften, in Einzelfällen bis auf DSB-Ebene erfolgreich, wie Sascha Plaum als Deutscher Manschaftsmeister.“

Klein-Lisa: „Das hört sich an, als würde bei euch nur gearbeitet und verbissen geschossen. Also nichts für mich!“

Vater Ralf: „Sehe ich so aus? Da hast du aber falsch gedacht! Natürlich kommt bei uns die Geselligkeit nicht zu kurz. Nur Einiges will ich nennen. Seit 1962 machen wir Königsschießen, zu dem Schützenball bzw. -party unzertrennlich gehören. – Die Dorfmeisterschaften im Schießen um den Schmiedepokal – zuletzt mit über 20 Mannschaften – gehören zum Dorfleben, sie gibt es seit 1967. – Schützenfeste, groß auf dem Hainchel, wurden organisiert, dieses Jahr das 75. Jubiläum. – Intern schießen wir verschiedene Pokale aus. – Stichworte wie Kinderfasching, Kanutouren, Thekendienstausflüge und Teilnahme an Veranstaltungen (DM) anderer Vereine stehen für Gemeinschaft. Essen und trinken kommen dabei nicht zu kurz.“

Klein-Lisa: „Ganz schön viel, was du mir erzählst, und ganz schön beeindruckend. Aber eigentlich ist Schießen für mich kein richtiger Sport. Man steht oder liegt ja nur faul rum.“

Vater Ralf:“Dann stell‘ dich mal hin, mach‘ mindestens 30 bis 120 Schuss, alle mit dem Willen zum besten Ringergebnis. Das wirst du nur bei Einklang von Körper und Geist erreichen. Vom Körper wird statischer Aufbau und Körperbeherrschung und vom Geist die innere Ruhe, Konzentration und Kontrolle äußerer Einflüsse verlangt. Das erfordert neben der geistigen Frische gute körperliche Fitness. Spitzenschützen sind Spitzensportler mit hohem Trainings- aufwand, der auch Kraft- und Ausdauersport umfasst.“

Klein-Lisa:“Wenn das so ist, überlege ich mir doch noch, das Schießen anzufangen. Kenne ich jemand aus deinem Verein?“

Vater Ralf:“Einen bestimmt. Er war Lehrer an deiner Schule: Volker Dienstbach. Seit vielen Jahren ist er vorbildlicher und erfolgreicher Trainer der Schützenjugend, ein Glücksfall für den Verein.

Jetzt möchte ich dir aber ungefragt noch etwas sagen:
Wir sind ein sportlicher Verein, der Erfahrung und Jugend in vernünftiger Weise für die angestrebten Erfolge verbinden möchte. Dazu darf Kameradschaft und Geselligkeit als Anreiz zur Leistungssteigerung nicht fehlen.

Der Verein zählt derzeit 160 Mitglieder, es waren schon über 180. Von diesen besitzen jedoch  60 einen Wettkampfpass, in der Spitze waren es über 70. Diesem Trend möchten wir nicht zuletzt durch ein gelungenes Jubiläums-Schützenfest zum 75-jährigen Bestehen und zur 50-jährigen Wiedergründung des Schützenvereins Eisemroth begegnen.
Dazu können wir Interessierten neben dem Stand mit 8 Schießbahnen für Luftdruckwaffen (10 m) auch den KK-Stand (50 m) mit 12 Bahnen, 3 Zimmerstutzen-Anlagen (15 m) sowie den Pistolenstand (25 m) für Groß- und Kleinkaliber anbieten.
Noch wichtiger sind allerdings das Wissen, die Erfahrung und das Können unserer Leistungsschützinnen und -schützen, das den Neuen zugute kommt.

O. k. ?  (Klein-Lisa nickt.)

Auf eine friedliche und erfolgreiche Zukunft!“